Ausbildung: Tipps und Checkliste für deinen Start ins Berufsleben

Ausbildung: Tipps und Checkliste für deinen Start ins Berufsleben

Ausbildung oder Studium? Das ist die Frage für viele Schülerinnen und Schüler am Ende der Schulzeit. Wir geben dir einen Überblick über den Ablauf einer Ausbildung, klären Urlaubsanspruch und Gehalt und verraten dir, wie du herausfinden kannst, ob du eher ein Studium oder eine Ausbildung machen solltest.

Duale Ausbildung in Deutschland: Was ist das überhaupt?

Die Mehrzahl der Azubis in Deutschland wird dual ausgebildet. Eine duale Ausbildung bedeutet, dass die Auszubildenden sowohl im Ausbildungsbetrieb als auch in der Berufsschule das Handwerkszeug für ihren späteren Beruf lernen. Daher wird die duale Ausbildung auch betriebliche Ausbildung genannt.

In der Berufsschule erlernen die Auszubildenden meist an ein bis zwei Tagen pro Woche die theoretischen Kenntnisse, während sie im Ausbildungsbetrieb an den anderen Wochentagen im konkreten Joballtag die praktischen Fähigkeiten erwerben. Genau diese Zweiteilung ist der Grundstein für das Erfolgsmodell der dualen Ausbildung.

Aktuell gibt es ungefähr 350 anerkannte Ausbildungsberufe, die deutschlandweit einheitlich geregelt sind. Das ist ein Vorteil für Azubis, denn so wissen auch Arbeitgeber aus anderen Bundesländern, was der Auszubildende während der Ausbildung gelernt hat und was sie ihm im Falle einer Einstellung zutrauen können.

Übrigens: Das System der dualen Ausbildung ist so beliebt, dass immer mehr Länder Jugendliche nach dem deutschen Vorbild ausbilden möchten. In Spanien wird die duale Ausbildung beispielsweise schon bei Seat praktiziert und auch in Russland bietet Volkswagen eine betriebliche Ausbildung für bestimmte Berufe an.

Andere Formen der Ausbildung

Die duale Ausbildung ist nicht die einzige Möglichkeit, in Deutschland einen Beruf zu erlernen. Es gibt noch die folgenden Optionen für Azubis:

  1. Schulische Ausbildung: Wie der Name schon andeutet, läuft diese Ausbildung nur in einer Berufsschule – in diesem Fall in einer Fachakademie oder Berufsfachschule – ab. Hauptsächlich sind es Gesundheitsberufe, die so erlernt werden.
  2. Abiturientenausbildung: Azubis mit Abitur oder Fachabitur können in dieser Ausbildungsform Zusatzqualifikationen erwerben.
  3. Beamtenausbildung: Spätere Beschäftigte im öffentlichen Dienst werden nach bestimmten Ausbildungsordnungen ausgebildet.

Ablauf der dualen Ausbildung

Die bundesweit einheitliche Regelung funktioniert natürlich nur, wenn der Ablauf der Ausbildung verbindlich geregelt ist. Das geschieht meist über einen Ausbildungsvertrag.

Darin werden folgende Punkte festgehalten:

  • Dauer der Ausbildung
  • Dauer der Probezeit
  • Höhe der Ausbildungsvergütung
  • regelmäßige Arbeitszeit (täglich und wöchentlich)
  • Urlaubsanspruch

Häufig prüft die jeweilige Kammer, ob der Ausbildungsvertrag den geltenden rechtlichen Regelungen entspricht.

Die Dauer der Ausbildung

Wie lange die Ausbildung dauert, hängt unter anderem von deinen Noten ab. Wenn du besonders gute Noten in der Berufsschule hast, kannst du die Ausbildung unter bestimmten Voraussetzungen verkürzen.

Aber auch der Beruf, den du erlernen möchtest, hat einen Einfluss auf die Dauer der Ausbildung: Fachlageristen müssen zum Beispiel nur zwei Jahre eine duale Ausbildung absolvieren, bis sie den Abschluss in der Tasche haben.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch Ausbildungen, bei denen ergänzend Zusatzqualifikationen erworben werden können – die dauern dann bis zu dreieinhalb Jahre.

Unser Tipp: Wenn du dich vorab informieren möchtest, wie lange deine geplante Ausbildung dauern wird, kannst du in der Ausbildungsordnung nachlesen, die du bei der zuständigen Handels- oder Handwerkskammer bekommen kannst.

Die Prüfungen in der Ausbildung

Die Ausbildung endet mit einer Prüfung, in der der Azubi unter Beweis stellt, was er oder sie in seiner Ausbildungszeit erlernt hat. Jedoch hängt nicht alles von dieser einen Abschlussprüfung ab: Azubis müssen auch Zwischenprüfungen oder Teil 1 Prüfungen absolvieren und zusätzlich ein Berichtsheft führen, in dem sie die Ausbildungsinhalte niederschreiben.

Für Azubis, die schriftlich nicht so stark sind, gibt es noch eine weitere gute Nachricht: In der Regel gibt es zusätzlich zu den schriftlichen auch mündliche und/oder gar praktische Prüfungen, in denen das Erlernte präsentiert werden kann.

Gehalt in der Ausbildung: Was verdienen Azubis?

Auszubildenden steht während der Ausbildung eine sogenannte Ausbildungsvergütung zu. Das ist das Äquivalent zu der Bezahlung, die Mitarbeiter nach der Ausbildung bekommen, also gewissermaßen das Gehalt in der Ausbildung.

Wie hoch die Bezahlung in der Ausbildung ist, hängt wiederum von unterschiedlichen Faktoren ab. Einen Einfluss haben zum Beispiel:

  • Ausbildungsjahr
  • Branche
  • Unternehmen
  • existierender Tarifvertrag
  • Bundesland

Im Durchschnitt liegt das Gehalt in der Ausbildung aktuell bei ungefähr 900 Euro. Einen Überblick über die tariflichen Ausbildungsvergütungen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) findest du hier.

Übrigens ist die Ausbildungsvergütung nicht an den Mindestlohn gebunden, denn rein rechtlich gilt die Ausbildung nicht als Arbeitsverhältnis.

Solltest du mit deinem Gehalt in der Ausbildung unzufrieden sein, bringt es nichts, deinen Ausbilder darauf hinzuweisen, dass deine Bezahlung unter dem Mindestlohn liegt. Damit machst du dich eher unbeliebt.

Vielleicht ist es ja auch nicht ganz so schlecht, dass du nicht allzu viel verdienst, denn bei mehr als 9000 Euro Ausbildungsvergütung jährlich, musst du Steuern zahlen.

Ausbildung und Urlaub: Habe ich Anspruch auf bezahlten Urlaub?

Genauso wie die festangestellten Arbeitnehmer haben auch Auszubildende einen Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub. Wie hoch dieser Anspruch ist, also wie viele Tage Urlaub du pro Jahr nehmen kannst, hängt von deinem Alter ab.

Der Urlaubsanspruch minderjähriger Auszubildender ist dabei im Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) Paragraf § 19 Absatz 2 geregelt. Hier ist ein Mindestanspruch von 25 bezahlten Tagen vorgesehen. Der Ausbildungsbetrieb darf natürlich darüber hinaus noch weiteren Urlaub gewähren, nur unter die Mindestgrenze darf er nicht fallen.

Der Urlaubsanspruch von Auszubildenden im Überblick:

  • Auszubildende unter 16 Jahren: mindestens 30 Werktage
  • Auszubildende unter 17 Jahren: mindestens 27 Werktage
  • Auszubildende unter 18 Jahren: mindestens 25 Werktage

Ausbildung oder Studium: Die Vor- und Nachteile eines Studiums

Nach so vielen Informationen rund um das Thema Ausbildung stellst du dir vielleicht die Frage, welche Ausbildung zu dir passt und ob vielleicht auch ein Studium für dich infrage kommen könnte.

Die Vor- und Nachteile eines Studiums im Vergleich zu einer Ausbildung können dir dabei helfen, eine Entscheidung zu treffen.

Die Vorteile:

  • Mit einem abgeschlossenen Studium bist du Akademiker und eher dazu befähigt, Führungsverantwortung im Unternehmen zu übernehmen.
  • Arbeitnehmer mit abgeschlossenem Studium verdienen in der Tendenz mehr als Arbeitnehmer mit einer Berufsausbildung.
  • Die Studienzeit gibt dir die Möglichkeit, Praktika in unterschiedlichen Unternehmen zu absolvieren und so einen Einblick in verschiedene Bereiche und Branchen zu bekommen.

Die Nachteile:

  • Ein Studium verlangt viel Eigenverantwortung, Motivation und Organisationsgeschick. Wer das nicht hat, kann schnell Probleme bekommen, das Studium erfolgreich abzuschließen.
  • Wer kein BAföG bekommt oder zahlungskräftige Eltern hat, muss sich einen Nebenjob suchen, um das Studium zu finanzieren – da kann die Zeit zum Lernen schonmal knapp werden.
  • Ein Studium an einer Universität ist in der Regel sehr theoretisch ausgerichtet. Fehlen Praktika oder kannst du diese nur in geringem Umfang absolvieren, mangelt es schnell an Praxisbezug. So kann der Einstieg in den Job schwieriger werden.

Die Vorteile einer Ausbildung

Die meisten Nachteile eines Studiums sind die Vorteile einer Ausbildung:

  • Arbeitsaufträge: In einer Ausbildung ist dein Ausbilder an deiner Seite und sagt dir konkret, welche Arbeitsschritte du ausführen sollst. Eigenverantwortung und Motivation musst du natürlich auch in der Ausbildung zeigen – aber in anderem Umfang als in einem Studium.
  • Finanzen: Während du im Studium häufig nebenbei arbeiten musst, verdienst du in der Ausbildung bereits dein eigenes Geld.
  • Praxisbezug: Die gesamte Ausbildung ist stark auf die Praxis und damit den konkreten Arbeitsalltag ausgerichtet. Du weißt in der Ausbildung schon, was später im Berufsleben auf dich zukommt.

Orientierungshilfe auf dem Weg zum Studium geben dir unter anderem die folgenden Online-Tools:

  1. Borakel: Das Borakel der Ruhr-Universität Bochum hilft dir dabei, die Studiengänge zu finden, die deinen Interessen am ehesten entsprechen.
  1. Check-U: Auch die Bundesagentur für Arbeit hat ein Tool für angehende Studenten im Angebot. Vorteil: Check-U ist nicht nur auf Studiengänge beschränkt, sondern gibt auch Tipps zu passenden Ausbildungen.

Welche Ausbildung passt zu mir?

Solltest du zu dem Schluss kommen, dass du vermutlich eher der Typ für eine Ausbildung bist, hast du immer noch die Qual der Wahl zwischen einer Vielzahl unterschiedlicher Richtungen. Doch auch in diesem Fall gibt es Abhilfe im Netz: Auf verschiedenen Seiten werden unterschiedliche Tests angeboten, die dir bei deiner beruflichen Orientierung helfen.

Du kannst zum Beispiel diese Berufswahl-Tests ausprobieren:

  • Berufe-Entdecker: Dieser Online-Test ist richtig für dich, wenn du noch gar keine Idee hast, für welche Art von Ausbildung du dich interessieren könntest. Auf der Internetseite kannst du sogar eine Favoritenliste erstellen und dich später genauer über deine bevorzugten Ausbildungen informieren.
  • Berufe-Checker: Wenn dir schon klar ist, dass du eine Ausbildung in einem handwerklichen Beruf machen möchtest, hilft dir der Berufe-Checker weiter. Auf dieser Website gibt es weiterführende Informationen über mehr als 130 Ausbildungsberufe.

Unser Tipp: Häufig können auch Familienmitglieder oder Freunde Hinweise geben, welche Ausbildung zu dir passt. Frag einfach mal nach! Vor allem Berufswünsche aus deiner Kindheit, die du vergessen hast, helfen häufig weiter.

Checkliste: Daran solltest du vor Beginn der Ausbildung denken

Unser Service für dich: Bevor du einen Ausbildungsvertrag unterschreibst oder eine Ausbildung beginnst, brauchst du einige Unterlagen und musst an verschiedene organisatorische Dinge denken. Das Wichtigste haben wir für dich in unserer Checkliste zusammengefasst:

  • Bescheinigung der Krankenkasse über bestehende Versicherung beantragen
  • Polizeiliches Führungszeugnis anfordern (falls der Ausbilder das wünscht)
  • Sozialversicherungsausweis und Steuer-Identifikationsnummer bereithalten
  • Anspruch auf Kindergeld überprüfen, eigenes Konto für die Ausbildungsvergütung eröffnen, wenn nötig Berufsausbildungshilfe beantragen
  • Bietet der Ausbildungsbetrieb vermögenswirksame Leistungen oder betriebliche Altersvorsorge an?
  • Versicherungsstatus überprüfen: Brauchst du eine Haftpflicht-, Berufsunfähigkeits- und Unfallversicherung?

Dinge rund um den Arbeitsalltag klären:

  • Wo musst du dich am ersten Arbeitstag melden, wer ist dein Ansprechpartner?
  • Gibt es eine Probezeit? Wenn ja, wie lang ist sie?
  • Wann sind die Pausen und wie lange dauern sie?
  • An wen musst du dich wenden, wenn du krank bist?

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