Ein Mann hält sich den Mund zu wieso können wir Gefühle unterdrücken?

Gefühle unterdrücken: So entsteht diese Art von Selbstschutz

Gefühle zu unterdrücken, ist gar nicht so einfach. Daher gelingt es den meisten von uns nur temporär. Wer seine Gefühle längere Zeit nicht zulässt, wird auf lange Sicht aller Wahrscheinlichkeit nach krank werden. Wie man das vermeiden kann, erfährst du jetzt.

Gefühle unterdrücken: Macht man das aus Selbstschutz?

Es gibt bestimmte Emotionen, die Menschen immer wieder unterdrücken oder verdrängen. Zu diesen Gefühlen gehören zum Beispiel Neid, Wut, Hass, Eifersucht und Enttäuschung. Wut gilt in der katholischen Kirche sogar als Todsünde wird daher häufig nicht öffentlich ausgelebt, sondern unterdrückt.

Menschen neigen aber auch dazu, positive Gefühle zu verdrängen oder zu unterdrücken. Wer zum Beispiel in jemanden verliebt ist, der jedoch in einer festen Beziehung steckt, wird vermutlich versuchen, gegen seine Emotionen anzukämpfen. In diesem Fall kann das Unterdrücken der Gefühle aus Selbstschutz heraus entstehen.

Gefühle verdrängen: Die Folgen

Negative Gefühle wie Wut oder Enttäuschung unterdrücken viele von uns, weil es nicht gern gesehen wird, wenn wir diese Emotionen ausleben. Man stelle sich nur einmal vor, jeder Mitarbeiter würde seiner Wut über das schlechte Gehaltsgespräch oder über die unverschämte E-Mail des Kunden freien Lauf lassen. Der Arbeitsalltag würde bestimmt nicht so reibungslos verlaufen, wie er es tut, wenn wir unsere Emotionen unterdrücken.

Bis zu einem gewissen Grad ist das auch ok. Schließlich können wir unseren Vorgesetzten in vielen Fällen nicht direkt ins Gesicht sagen, wenn wir uns ärgern oder gar über sein Verhalten wütend sind. Mitarbeiter, die sich stattdessen zu einem derartigen Verhalten hinreißen lassen, müssen in manchen Fällen wohl eher mit einer Abmahnung rechnen.

Man kommt also in manchen Situationen gar nicht drum herum, seine Gefühle zu unterdrücken. Andere Menschen leben aber auch dann ihre Emotionen nicht aus, wenn sie eigentlich könnten. Sie versuchen stattdessen grundsätzlich, sich nicht anmerken zu lassen, was sie fühlen, und permanent die Fassade nach außen aufrechtzuerhalten.

Unterdrückte Emotionen: Die möglichen Konsequenzen

Seine Gefühle zu unterdrücken ist nicht nur anstrengend, sondern kann negative Konsequenzen nach sich ziehen. Personen, die sich nie erlauben, ihre Gefühle auszuleben, stauen nämlich beträchtlichen Frust an – und das geht häufig nicht gut. Denn an irgendeiner Stelle muss sich dieser Frust entladen, sonst werden sie langfristig krank.

Das bedeutet, dass Personen, die ihre Gefühle unterdrücken, in manchen Fällen eine tickende Zeitbombe sind. Es wird nämlich nur den wenigsten gelingen, ihre Wut, Enttäuschung und ihren Frust permanent zu verdrängen. Manchmal müssen diese Gefühle eben raus – und das geschieht dann nicht selten in einem handfesten Wutanfall. Keine schöne Situation – für alle Beteiligten.

Andere besitzen so viel Selbstbeherrschung, dass es ihnen gelingt, ihre Gefühle dauerhaft zu unterdrücken. Doch auch das geht nicht ohne negative Folgen.

Denn negative Gefühle nicht zuzulassen, kostet eine ganze Menge Kraft und Anstrengung. Das kann körperliche Folgen haben. Zum Beispiel kann dein Hormonhaushalt gestört werden. Denn Stress geht immer mit einer erhöhten Ausschüttung des Stresshormons Cortisol einher. Und das wiederum kann deinen Blutdruck in die Höhe treiben oder aber ein Grund dafür sein, dass du deutlich schlechter schläfst.

Langfristig können sich noch weitere körperliche Beschwerden einstellen. Personen, die ständig unter Druck stehen, entwickeln nicht selten Probleme mit dem Rücken oder bekommen immer wieder teilweise starke Kopfschmerzen. Auch das Immunsystem kann nicht mehr wie gewohnt arbeiten. Wenn Menschen ihre Gefühle unterdrücken, werden sie häufiger krank.

Das deutet auf unterdrückte Gefühle hin

Manchmal ist uns gar nicht bewusst, dass wir unsere Emotionen unterdrücken. Vielleicht haben wir uns ein derartiges Verhalten in der Kindheit und Jugend angeeignet und machen jetzt einfach so weiter. Wer vermutet, dass er oder sie dazu neigt, die eigenen Gefühle zu unterdrücken, sollte auf folgende Anzeichen achten:

  • Du fühlst dich häufig müde und erschöpft.
  • Schon längere Zeit stellst du bei dir Antrieblosigkeit fest.
  • Du leidest unter Stimmungsschwankungen, ohne zu wissen, woher sie kommen könnten.
  • Immer wieder fällt dir auf, dass du scheinbar grundlos nervös bist.
  • Konzentrationsprobleme, Kopfschmerzen und Herzrasen treten bei dir recht häufig auf.
  • Dein Blutdruck ist höher, als er sein sollte.
  • Du hast häufig mit Verdauungsproblemen und Magenschmerzen zu kämpfen.

Zugegeben, diese Symptome sind recht unspezifisch. Sie können daher auch ein Anzeichen für ganz andere Probleme sein. Aus diesem Grund solltest du deinen Hausarzt aufsuchen, wenn du unter diesen Symptomen leidest. Er kann dir dabei helfen, die Ursache für deine körperlichen und seelischen Beschwerden zu finden.

Gefühle nicht länger unterdrücken: So gehst du vor

Wenn dir klar geworden ist, dass der Grund für dein Unwohlsein und deine Probleme tatsächlich darin liegt, dass du deine Emotionen unterdrückst, solltest du etwas dagegen unternehmen.

Auch hier gilt, dass du bei wirklich tiefgreifenden Problemen unbedingt professionelle Hilfe aufsuchen solltest. Dein Arzt oder auch ein Psychotherapeut können der richtige Ansprechpartner sein, wenn du darunter leidest, dass du deine Gefühle verdrängst.

Daneben kannst du jedoch auch in Eigenregie versuchen, dein Wohlbefinden zu verbessern und Emotionen wieder stärker zuzulassen und auszuleben. Das kann zum Beispiel so gelingen:

  1. Sich einer vertrauten Person öffnen: Personen, die viele Jahre ihre Gefühle unterdrückt haben, müssen zunächst lernen, sich wieder zu öffnen und ihre Emotionen anzunehmen. Vielen kann es helfen, wenn sie mit einer nahen Person über ihre Gefühle sprechen. Das ist natürlich gar nicht so einfach. Daher sollte man sich für dieses Vorhaben jemanden suchen, der einfühlsam ist und gut zuhören kann. Außerdem sollte man darauf achten, ein ruhiges Setting zu wählen. Mal eben zwischen Tür und Angel über seine unterdrückten Gefühle zu reden, wird vermutlich nicht gelingen. Stattdessen sollte man sich ausreichend Zeit nehmen und in einem Gespräch unter vier Augen den Versuch wagen.
  2. Körperlich aktiv werden: Ein Spaziergang in der Natur hilft einigen Personen, Kraft zu tanken und ihre Gefühle wieder zuzulassen. Für andere muss es dagegen etwas aktiver zugehen. Sie müssen sich körperlich so richtig auspowern, um die angestaute Wut loszuwerden. Für sie kann es hilfreich sein, einen Boxclub zu besuchen oder eine andere, eher aggressivere Sportart zu betreiben. Damit hat man ein Ventil, über das man seine unterdrückten Gefühle ablassen kann.
  3. Selbstreflexion: Selbstreflexion ist bei vielen Problemen ein vielversprechender Weg und kann daher auch dabei helfen, sich seiner unterdrückten Gefühle bewusst zu werden. Wem es nicht gelingt, allein über seinen Gefühlshaushalt Klarheit zu erlangen, der kann sich zum Beispiel einer Selbsthilfegruppe anschließen. Hier findet man Personen, die ähnliche Probleme haben, und kann so einen neuen Blickwinkel bekommen und neue Lösungsansätze finden.

Bildnachweis: pathdoc / Shutterstock.com


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