Ein Mann hält eine Hand ans Ohr, wie kann man das Zuhören lernen?

Zuhören lernen: Warum gutes Zuhören wichtig ist

Wir alle werden in unserem Alltag mit einer Vielzahl von Informationen konfrontiert. Da ist es nicht verwunderlich, wenn wir gedanklich auch mal abschalten. Dabei profitieren alle Beteiligten davon, wenn man aktiv zuhört. Glücklicherweise kann man zuhören lernen. Wie es funktioniert und welche Tipps dabei helfen, liest du hier.

Zuhören lernen: Warum überhaupt?

Zahlreiche Umfragen kommen zu einem eindeutigen Ergebnis: 96 Prozent der befragten Erwachsenen halten sich selbst für gute Zuhörer. Da fragt man sich doch zurecht, warum sich so viele Personen darüber beschweren, dass ihnen nicht oder nicht richtig zugehört wird. Offensichtlich klafft da eine beachtliche Lücke zwischen der Selbst- und der Fremdwahrnehmung der meisten Menschen.

Personen, die aktiv zuhören, sind beruflich erfolgreicher. Der Zusammenhang ist schnell gefunden: Menschen, die ihrem Gegenüber in einem Gespräch konzentriert zuhören und sich auf seine Argumente einlassen, verstehen seine Motivation. Wer die Gründe und Motive nachvollziehen kann, der kann sie eher entkräften. Wie willst du Bedenken aus dem Weg räumen, von denen du gar nicht weißt, dass es sie gibt?

Im privaten sowie im beruflichen Umfeld profitieren gute Zuhörer noch von einem weiteren Vorteil: Zuhören schafft Bindung. Menschen, die anderen konzentriert zuhören und versuchen, ihre Beweggründe nachzuvollziehen, werden von ihren Gesprächspartnern positiver bewertet. Auch das können wir vermutlich aus eigener Erfahrung bestätigen: Wir finden Personen sympathischer, die uns nicht ständig unterbrechen, sondern die ein echtes Interesse an uns zeigen und uns dadurch Wertschätzung entgegenbringen.

Aktives Zuhören: die Vorteile

Auf der zwischenmenschlichen Ebene hat aktives Zuhören positive Auswirkungen – und zwar für beide Seiten:

  • Personen, die ihrem Gesprächspartner aktiv zuhören, sind eher in der Lage, wichtigen Informationen von unwichtigen zu unterscheiden. Dadurch ist man in der Lage, auf die relevanten Punkte einzugehen.
  • Aktive Zuhörer stehen bei ihren Gesprächspartnern hoch im Kurs. Wer seinem Gegenüber im Gespräch Wertschätzung zeigt, wird auch selbst eher wertschätzend behandelt.
  • Wer fokussiert zuhört, wird mehr Informationen aus dem Gespräch mitnehmen. Das wiederum ist wichtig, um später bessere Entscheidungen treffen zu können. Personen, die dagegen nur mit einem Ohr zuhören, zum Beispiel, wenn es um die Neuerungen in der Firmenstruktur geht, haben unter Umständen das Nachsehen in Bezug auf ihre Karriere.
  • Führungskräfte, die aktiv zuhören, werden schneller verstehen, dass es in ihrem Team aktuell Probleme gibt. Sie können auf die akute Situation reagieren und so Krisen in ihrem Team und letztlich auch dem Unternehmen abwenden.
  • Hat man als Gesprächspartner das Gefühl, dass der andere aktiv zuhört, fasst man eher Vertrauen. Damit steigen die Chancen, dass man als aktiver Zuhörer die wirklichen Beweggründe erfährt und sich nicht bloß mit vorgeschobenen Begründungen befassen muss.

Besser Zuhören: verschiedene Typen von Zuhörern

Die Wissenschaft hat sich in unzähligen Studien und Befragungen damit beschäftigt, wie Menschen lernen können, aktiv zuzuhören. Der US-amerikanische Autor Anthony Alessandra hat in diesem Zusammenhang vier verschiedene Typen von Zuhörern definiert:

  1. Der weghörende Typ: Zuhören ist nicht die Stärke dieses Typs. Ihm ist es lieber, wenn er sich nicht allzu viel mit seinem Gesprächspartner befassen muss. Das sollte man jedoch nicht auf böse Absicht schieben. Weghörer sind eher introvertierte Personen, die naturgemäß Probleme damit haben, auf andere Menschen zuzugehen. Dieses scheinbar abweisende Verhalten überträgt sich dann auf das Zuhören.
  2. Der selektive Typ: Wie die Bezeichnung schon andeutet, hören diese Typen nur bestimmten Teilen des Gesprächs aufmerksam zu. Häufig warten sie nur auf eine Gelegenheit, um selbst das Wort ergreifen zu können. Bietet sich diese Gelegenheit nicht, schalten selektive Zuhörer mitunter auch einfach ab und denken an komplett andere Dinge. Das merken natürlich auch die Gesprächspartner. Selektive Zuhörer erkennt man auch daran, dass sie kaum Fragen stellen und schon kurz nach dem Gespräch nicht mehr wissen, worüber gerade gesprochen wurde.
  3. Der bewertende Typ: Diese Zuhörer versuchen zwar, ihrem Gesprächspartner zu lauschen, jedoch will es nicht recht gelingen. Statt dem anderen nämlich bis zum Ende zuzuhören, überlegen sich bewertende Zuhörer schon während ihr Gesprächspartner noch spricht eine passende Erwiderung auf das, was sie gerade gehört haben.
  4. Der aktive Typ: Wer auf diese Art zuhören kann, ist klar im Vorteil. Denn aktive Zuhörer sind in der Lage, sich wirklich konzentriert auf das einzulassen, was ihr Gesprächspartner sagt. Sie vermeiden es dabei, sich bereits Gegenargumente bereitzulegen. Stattdessen fokussieren sie sich voll auf ihr Gegenüber. Aktive Zuhörer achten nicht nur auf das Gesagte, sondern auch darauf, was ihr Gesprächspartner nonverbal kommuniziert.

Aktiv zuhören lernen: diese Übungen helfen

Die wenigsten Menschen lassen sich nur einem bestimmten Zuhörer-Typ zuordnen. Wer beispielsweise beim Gespräch mit seinem Kollegen nur selektiv zuhört, kann einige Minuten später beim Gespräch mit seinem Vorgesetzten schon wieder ein aktiver Zuhörer sein.

Mit den richtigen Übungen kannst du also deine Zuhör-Fähigkeiten verbessern:

  1. Bewusst schweigen: Wenn du deine Zuhör-Skills verbessern möchtest, musst du zunächst üben, im Gespräch ganz bewusst zu schweigen. Du wirst vermutlich schnell feststellen, dass das leichter gesagt als getan ist. Wenn du dich darauf konzentrierst, deinen Gesprächspartner ausreden zu lassen, merkst du häufig erst, wie oft du gedanklich abschweifst – noch während er redet. Oder, noch schlimmer, wie oft du im Gespräch ansetzt, um ihn zu unterbrechen.
  2. Blickkontakt halten: Du kannst deinem Gegenüber signalisieren, dass du daran interessiert bist, was er sagt, indem du Blickkontakt hältst. Schweift dein Blick stattdessen im Raum umher, wird das deinen Gesprächspartner vermutlich verwirren. Die meisten Menschen fragen sich dann, ob es langweilig ist, was sie erzählen, oder ob du nicht verstehst, was sie wollen.
  3. Rückfragen stellen: Die Zeit für Rückfragen im Gespräch ist dann gekommen, wenn es dir für einen gewissen Zeitraum gelungen ist, deinem Gegenüber konzentriert zuzuhören. Diese können übrigens auch dazu beitragen, dass du noch interessierter wirkst. Die richtigen Fragen verdeutlichen nämlich, dass du dich mit dem auseinandersetzen möchtest, was dein Gegenüber sagt. Diese Art der Rückfragen bietet sich auch dann an, wenn du dich vergewissern möchtest, dass du alles richtig verstanden hat. Das zeigst du beispielsweise durch diese Rückfragen:
  1. Verstehe ich es richtig, dass Sie …
  2. Sie möchten also, dass …
  3. Korrigieren Sie mich bitte, wenn ich Sie falsch verstanden habe. Sie sagen, dass …

Wenn du auf diese drei simplen Tricks achtest, kannst du mit etwas Training lernen, zu einem aktiven Zuhörer zu werden. Lasse dich überraschen, welche positiven Effekte das für alle Beteiligten haben kann.

Bildnachweis: Lipik Stock Media / Shutterstock.com


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