Absentismus: Ursachen, Anzeichen & Prävention
Für Unternehmen ist es ein Problem, wenn Mitarbeiter häufiger fehlen als eigentlich nötig. In solchen Fällen kann Absentismus dahinterstecken. Was das ist, welche Anzeichen dafürsprechen und wie sich unnötige Fehlzeiten strategisch verhindern lassen – hier erfährst du mehr.
Absentismus: Definition & Bedeutung
Wenn Mitarbeiter häufig fehlen, kann Absentismus dahinterstecken. Absentismus heißt, dass Arbeitskräfte regelmäßig dem Job fernbleiben, obwohl sie eigentlich arbeiten könnten. Er umschreibt damit Ausfallzeiten, die nicht mit Urlaubstagen, einer Freistellung oder einer tatsächlichen Krankheit in Verbindung stehen. Sowohl entschuldigtes Fehlen als auch unentschuldigte Fehlzeiten können unter die Definition von Absentismus fallen.
Absentismus kann verschiedene Ursachen haben. Häufig geht er mit Unzufriedenheit im Job und schlechter Stimmung im Team einher. Auch Konflikte, Stress und Überlastung können dahinterstecken, ebenso gesundheitliche Probleme. Für Unternehmen kann Absentismus zum Problem werden. Wenn bestimmte Mitarbeiter immer wieder ausfallen, bleibt Arbeit liegen – oder belastet die übrigen Arbeitskräfte. Die können sich dadurch eher gestresst fühlen oder sich gezwungen sehen, ihre eigentlichen Aufgaben zu vernachlässigen. Wenn Absentismus strukturelle Ursachen hat, deutet er meist auf tieferliegende Probleme hin. Zugleich entstehen durch häufige Fehlzeiten oft hohe Kosten, ob durch die Lohnfortzahlung, eine Vertretung oder Krankengeld.
Auch die Mitarbeiter selbst werden durch Absentismus beeinflusst. Wer oft nicht da ist, kann den Anschluss verlieren. Er hat womöglich mehr Druck, gerät ins Hintertreffen oder verliert den Kontakt zu den Kollegen. Oft betrifft Absentismus in Unternehmen nicht nur einzelne Personen, sondern kommt gehäuft vor. Es ist daher wichtig, dass Verantwortliche genau hinschauen, um die Gründe für häufige Fehlzeiten nachzuvollziehen und Lösungen für das Problem zu finden.
Was hat Absentismus für Ursachen?
Absentismus am Arbeitsplatz ist in der Regel kein Zufall – und Unternehmen, die verstärkt davon betroffen sind, haben meist kein Pech, sondern das Problem hat häufig strukturelle Ursachen. Ein naheliegender Faktor ist die gesundheitliche Verfassung der Beschäftigten. Wenn Mitarbeiter zum Beispiel chronisch krank sind, immer wieder an Rückenschmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden leiden, ständig erkältet sind oder Migräne haben, fallen sie entsprechend häufig aus. Diese Beschwerden müssen nicht, können aber mit dem Job zusammenhängen.
Auch psychische Erkrankungen spielen eine immer wichtigere Rolle. Chronisch gestresste Arbeitnehmer können oft nicht mehr anders als sich krankzumelden – manchmal auch dann, wenn sie theoretisch auch arbeiten könnten. Die Belastung ist dennoch oft so groß, dass die Betroffenen zu Hause bleiben.
Ein anderer Grund für Absentismus ist mangelnde Motivation. Wer seinen Job ohnehin nicht mag und keine Lust auf die Arbeit hat, meldet sich leichtfertiger krank. Dasselbe gilt für Beschäftigte, die allgemein nicht sonderlich engagiert sind oder sich nicht mit ihrem Job und dem Arbeitgeber identifizieren. Auch wenn es an Anerkennung mangelt oder den Betroffenen nicht klar ist, warum sich ein Einsatz im Job lohnt, kann das Absentismus begünstigen.
Wenn ein schlechtes Klima Absentismus begünstigt
Konflikte am Arbeitsplatz können eine weitere Ursache für Absentismus sein. Wenn es Probleme mit Vorgesetzten oder Kollegen gibt oder schlechte Stimmung im Team herrscht, kann das eine große Belastung sein. Ein angespanntes Klima besteht oft dauerhaft und kann die Verfassung der einzelnen Beschäftigten enorm beeinträchtigen. Wer in so einem Arbeitsumfeld arbeitet, freut sich oft über jeden Tag, an dem er nicht arbeiten muss. Ein schlechter Zusammenhalt tut sein Übriges: Wenn Mitarbeiter nicht darüber nachdenken, ob andere durch ihr Fehlen mehr Arbeit haben könnten, melden sie sich eher krank.
Oft sind verschiedene Absentismus-Ursachen miteinander verwoben. Nicht selten trifft es manche Unternehmen verstärkt, während andere mit Absentismus keine Probleme haben. Das ist dann häufig ein Spiegel der Unternehmenskultur und reflektiert den Umgang von Arbeitgebern mit ihren Mitarbeitern. Wer seinen Mitarbeitern Wertschätzung entgegenbringt und sie fair behandelt, kann Absentismus den Nährboden entziehen.
Die Folgen von Absentismus am Arbeitsplatz für Unternehmen und Beschäftigte
Absentismus kann erhebliche Auswirkungen haben, und das nicht nur für Mitarbeiter, die womöglich gar nicht wirklich krank sind. Ihnen kann eine Abmahnung oder Kündigung drohen, wenn der Arbeitgeber Grund zur Annahme hat, dass es sich um Absentismus statt Krankheit handelt. Die möglichen Folgen von Absentismus gehen über den Einzelnen jedoch weit hinaus. Betroffen sind auch die Kollegen – und das Unternehmen an sich.
Wenn bestimmte Kollegen immer wieder fehlen, heißt das für das übrige Team oft: mehr Arbeit für jeden Einzelnen. Das kann für schlechte Stimmung sorgen oder sogar zwischenmenschliche Konflikte bedingen. Es trägt auch zum Stress der verbleibenden Kollegen bei, die neben ihrer eigentlichen Arbeit auch noch auffangen müssen, was „kranke“ Kollegen liegen gelassen haben. Dadurch haben sie mehr Druck und sind eher überarbeitet, es können eher Fehler passieren und die Effizienz im Job kann darunter leiden.
Arbeitskräfte wissen oft sehr genau, welche Kollegen wirklich krank sind und welche sich leichtfertig oder zumindest auffällig häufig krankmelden. Wenn die übrigen Kollegen immer wieder einspringen müssen, während jemand anderes (vermeintlich) faul auf dem Sofa liegt, kann das für Unmut sorgen. Die Betroffenen können ihre Extra-Arbeit als unfair empfinden, auch eine verringerte Zufriedenheit insgesamt ist bei strukturellen Problemen denkbar. Das Betriebsklima leidet in so einer Situation häufig, was für sich genommen ein Nachteil ist.
Wenn Absentismus den Erfolg von Unternehmen gefährdet
Für Unternehmen verursachen personelle Ausfälle nicht nur Kosten, sondern sind auch mit organisatorischem Aufwand verbunden. Womöglich muss Ersatz für die ausgefallenen Arbeitskräfte beschafft werden, Aufgaben müssen neu verteilt und Vorgehensweisen abgesprochen werden. All das kostet Zeit und bindet Personal.
Ist Absentismus ein generelles Problem in Unternehmen und geht damit über Einzelfälle hinaus, wirkt er sich oft negativ auf die Produktivität insgesamt aus. Die Situation kann so gravierend sein, dass der wirtschaftliche Erfolg von Unternehmen durch die häufigen Ausfälle gefährdet ist. Unternehmen können auch Schwierigkeiten haben, ihren Verpflichtungen nachzukommen und Aufträge rechtzeitig fertigzustellen. In diesem Fall drohen Rufschäden.
Absentismus erkennen: Typische Anzeichen & Warnsignale
Absentismus entsteht nicht aus dem Nichts: Wer genau hinsieht, kann oft schon früh Hinweise und Warnsignale erkennen, die auf überdurchschnittlich häufige Fehlzeiten schließen lassen. Es lohnt sich für Verantwortliche, personelle Ausfälle zu analysieren. Fehlen Mitarbeiter häufig, für längere Zeit oder melden sie sich besonders kurzfristig krank? Das kann auf Absentismus hindeuten. Aufmerksam werden sollten Verantwortliche auch, wenn Arbeitskräfte besonders häufig an Montagen oder Freitagen fehlen. Der Verdacht, dass Mitarbeiter das Wochenende verlängern möchten und gar nicht wirklich krank sind, kann dann naheliegen.
Neben den eigentlichen Fehlzeiten und möglichen Mustern lässt sich Absentismus häufig auch an einem veränderten Verhalten von Arbeitskräften erkennen. Es könnte zum Beispiel sein, dass die früher so emsige Mitarbeiterin auf einmal weniger Interesse an ihrer Arbeit zeigt und sich auffällig im Hintergrund hält. Oder dass ein Beschäftigter, der immer gut drauf und voller Tatendrang war, nun eher mürrisch und passiv wirkt. Ebenso wäre es ein Warnsignal, wenn Mitarbeiter Konflikte mit anderen haben oder soziale Kontakte im Team vermeiden. Auch plötzlich schlechtere Leistungen, wiederkehrende Fehler oder geistige Abwesenheit gehen oft Hand in Hand mit Absentismus.
Kommunikationsschwierigkeiten sind ein weiteres Anzeichen, das auf Absentismus hindeuten kann. Wenn Mitarbeiter zum Beispiel Probleme mit Vorgesetzten haben, gedanklich wenig präsent wirken oder kein Interesse an Feedback zeigen, kann das tieferliegende Ursachen haben. Dasselbe gilt für häufige Missverständnisse und Probleme mit Absprachen. Möglicherweise fühlen sich die betreffenden Mitarbeiter nicht mehr wohl, haben kein Vertrauen mehr in den Arbeitgeber oder sind unzufrieden mit ihrem Job.
Absentismus verhindern: Ansätze & Strategien
Absentismus kann viele Nachteile für Unternehmen mit sich bringen. Umso wichtiger ist es für Führungskräfte, aufmerksam auf mögliche Signale zu achten. Sie kennen ihre Mitarbeiter am besten und können daher frühzeitig erkennen, wenn sich deren Verhalten oder Stimmung ändert.
Wer bei Bedarf rasch aktiv wird und beispielsweise das Gespräch mit den Betroffenen sucht, kann oft verhindern, dass sich Probleme verfestigen. Gleichzeitig ist ein gutes Vertrauensverhältnis essenziell: Wenn die Beziehungen zwischen Mitarbeitern und ihren Vorgesetzten gut sind, sind Arbeitskräfte eher offen und trauen sich, Probleme und Unzufriedenheit anzusprechen. Ein gutes Betriebsklima ist in diesem Sinne viel wert. Mitarbeiter fühlen sich dann eher wohl und wertgeschätzt, äußern offener ihre Meinung und haben das Gefühl, dass ihr Chef oder ihre Chefin ein ehrliches Interesse an ihnen hat.
Möglichen Problemen den Nährboden entziehen
Zur Prävention von Absentismus sollten Verantwortliche nicht nur auf mögliche Probleme achten, sondern diesen Problemen möglichst den Nährboden entziehen. Wer die Grundlagen für eine hohe Zufriedenheit im Job schafft, hat weniger Ärger mit hohen Fehlzeiten. Zu guten Arbeitsbedingungen können etwa flexible Arbeitszeiten gehören, ein faires Gehalt, konstruktives, wertschätzendes Feedback von Vorgesetzten und die Einhaltung der regulären Arbeitszeiten.
Auch Anerkennung spielt eine wichtige Rolle bei der Mitarbeiterzufriedenheit. Wenn Beschäftigte merken, dass ihr Einsatz positiv auffällt, fühlen sie sich eher gesehen – und engagieren sich häufig stärker. Zugleich kann dadurch die Hürde höher sein, sich „ohne guten Grund“ krankzumelden.
Auch die betriebliche Gesundheitsvorsorge ist wichtig, um Absentismus vorzubeugen. Entsprechende Angebote, etwa im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements, tragen nicht nur zu einer besseren körperlichen und mentalen Gesundheit von Arbeitskräften bei. Arbeitgeber machen damit auch deutlich, dass ihnen wichtig ist, wie es ihren Mitarbeitern geht. Als Zeichen der Wertschätzung hat das für sich genommen einen positiven Effekt, wenn es als ehrlich gemeint empfunden wird.
Tipps, um Absentismus zu reduzieren
Wenn Mitarbeiter auffällig häufig fehlen, ist es wichtig, dass Arbeitgeber aktiv werden. Es lohnt sich, wenn Führungskräfte das Gespräch mit Arbeitskräften suchen, die sich oft krankmelden. Hier sollte es nicht darum gehen, Vorwürfe zu machen, sondern in einem wertschätzenden Rahmen mögliche Probleme zu besprechen. Vorgesetzte finden mehr heraus, wenn sie auf Vertrauen setzen und sich ernsthaft interessiert daran zeigen, wie es ihren Mitarbeitern im Job und darüber hinaus geht.
Auch Rückkehrgespräche nach längeren Krankheitsphasen bieten sich aus demselben Grund an. Gemeinsam können Führungskräfte und Mitarbeiter die Situation analysieren und nach Lösungen suchen. Auch externe Unterstützungsangebote können hilfreich sein. Das kann zum Beispiel in Form einer Mitarbeiterberatung oder von psychologischen Hilfsangeboten geschehen. Mit den Ansprechpartnern können betroffene Mitarbeiter darüber reden, wie es ihnen geht. In einem vertraulichen Rahmen öffnen sie sich häufig eher, was die Grundlage für eine Verbesserung der Lage ist.
Gleichzeitig ist es wichtig, dass es klare Richtlinien im Umgang mit Fehlzeiten gibt. Hierzu gehören Regeln zum Vorgehen bei einer Krankmeldung, aber auch, welche Konsequenzen bei unentschuldigtem Fehlen drohen. Konsequentes Handeln kann Mitarbeiter von Absentismus abschrecken, allerdings sollten sämtliche Maßnahmen fair und gerechtfertigt sein. Wer bei einem reinen Verdacht auf Absentismus drakonische Strafen verhängt, macht sich schnell unbeliebt – und kann das Problem verschärfen.
Fazit: Ein gesundes Arbeitsumfeld als Schlüssel für eine höhere Anwesenheit
- Bei Absentismus handelt es sich um häufiges Fehlen von Mitarbeitern ohne guten Grund. Für Unternehmen stellt es eine Herausforderung dar, weil es oft strukturelle Ursachen hat und vielfältige Probleme mit sich bringen kann.
- Hinweise auf Absentismus sind neben wiederkehrenden Ausfällen – oft quer durch die Belegschaft – auch Verhaltensänderungen und Leistungsabfälle bei Mitarbeitern.
- Damit es nicht zu Absentismus kommt, ist Prävention wichtig. Zum Beispiel durch faire Arbeitsbedingungen, Anerkennung und ein ehrliches Interesse an der Gesundheit der Mitarbeiter.
- Auch eine offene Kommunikation ist essenziell, um mögliche Probleme früh zu erkennen und Lösungen zu finden. Hier sollte der Fokus auf einem wertschätzenden Austausch liegen – Vorwürfe und Anschuldigungen würden das Problem nur unnötig verschärfen.
Mit guten, vertrauensvollen Beziehungen zwischen Führungskräften und Mitarbeitern wird Absentismus unwahrscheinlicher. Die Beschäftigten sind dann nicht nur eher zufrieden mit ihrem Job, sondern sie melden sich auch weniger leichtfertig krank.
Bildnachweis: New Africa / Shutterstock.com

