Ein Mann arbeitet Zuhause am Abend, da er flexible Arbeitszeiten hat

Flexible Arbeitszeiten: Vor- und Nachteile

Wer von 9 bis 17 Uhr arbeitet, kennt das Problem: Arzttermine oder Behördengänge sind nahezu unmöglich. Und wenn, dann braucht man dafür einen Tag Urlaub. Ein Ausweg scheinen flexible Arbeitszeiten zu sein. Denn die ermöglichen nicht nur, derartige Termine flexibel in die Arbeitswoche einzuplanen, sie sollen auch zu einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie beitragen. Ob das jedoch immer so gelingt, wie in der Theorie geplant, ist fraglich. Welche Vor- und Nachteile flexible Arbeitszeiten für Beschäftigte und Arbeitgeber haben und welche verschiedenen Arbeitszeitmodelle es gibt, wollen wir uns etwas genauer ansehen.

Flexible Arbeitszeiten: Was ist damit gemeint?

Flexible Arbeitszeiten sollen in erster Linie dazu dienen, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie (oder anderen privaten Verpflichtungen) besser zu ermöglichen. Flexible Arbeitszeitmodelle in diesem Sinn, die übrigens auch Flexizeit genannt wird, ermöglichst es dem Arbeitnehmer, die Arbeitszeit zumindest teilweise nach eigenen Bedürfnissen zu planen. Selbstverständlich dürfen die getroffenen Regelungen den Vorschriften im Arbeitszeitgesetz nicht zuwiderlaufen.

Flexible Arbeitszeit ist damit also der Gegensatz zur Normalarbeitszeit. Denn dabei hat der Arbeitnehmer nicht die Option, sich seine Arbeitszeit frei einzuteilen. Besonders in Berufen, in denen Arbeitnehmer eng abgestimmt zusammenarbeiten, sind daher eher herkömmliche Arbeitszeitmodelle ohne Flexibilität anzutreffen.

Flexible Arbeitszeitmodelle: die Vorteile

Die Vorteile der flexiblen Arbeitszeit für Arbeitnehmer scheinen auf der Hand zu liegen: Das Kind früher von der Kita zu holen oder private Termine spontan zu planen, ist damit ohne weiteres möglich. Natürlich nur, solange sich die Beschäftigten an die Regelungen im Betrieb halten. Denn flexible Arbeitszeiten bedeuten nicht, dass man nur noch arbeitet, wann man möchte.

Auf der anderen Seite können auch Arbeitgeber von den variablen Arbeitszeitmodellen profitieren. Und das gleich auf mehrere Arten:

  • Die Motivation in der Belegschaft steigt: Beschäftigte, die etwas mehr individuellen Gestaltungsspielraum bei der Arbeitszeit haben, sind zufriedener und motivierter.
  • Die Produktivität erhöht sich: Mitarbeiter, die motivierter sind, haben meist auch weniger Stress. Das kann dazu führen, dass sich sogar Fehlzeiten verringern. Im Ergebnis heißt das, dass die Produktivität im gesamten Unternehmen steigt.
  • Die Attraktivität als Arbeitgeber wird größer: Einige Arbeitnehmer suchen sich ihren Arbeitgeber ganz gezielt danach aus, ob er flexible Arbeitszeiten anbietet. Unternehmen, die derartige Modelle im Programm haben, können damit im Kampf um benötigte Fachkräfte punkten.
  • Die Bindung von Arbeitnehmern ans Unternehmen wird leichter: Nicht nur Mitarbeiter zu finden kann mit flexiblen Arbeitszeitmodellen einfacher werden. Auch die Mitarbeiter längerfristig im Unternehmen zu halten wird dadurch leichter.

Flexible Arbeitszeitmodelle: die Übersicht

Flexible Arbeitszeiten gibt es für Arbeitnehmer in ganz unterschiedlichen Ausprägungen. In erster Linie ist die Entscheidung für oder gegen ein bestimmtes Modell natürlich vom Arbeitgeber abhängig. Unter Umständen haben Beschäftige aber die Wahl zwischen verschiedenen Varianten der flexiblen Arbeitszeit.

Die Übersicht:

  1. Teilzeit (z. B. Altersteilzeit)
  2. Gleitzeit
  3. Arbeitszeitkonten
  4. Vertrauensarbeitszeit
  5. Jobsharing
  6. Homeoffice

Was diese Arbeitszeitmodelle ausmacht und wo ihre Vorzüge liegen, schauen wir uns nun genauer an:

Arbeitszeitmodell Teilzeit

Wer in Teilzeit arbeitet, ist insofern flexibel, als dass nicht die üblichen 40 Stunden pro Woche gearbeitet werden. Je nach Arbeitgeber ist es außerdem möglich, die Arbeitszeit auf wenige Arbeitstage zu verteilen. So arbeiten Teilzeitbeschäftigte vielleicht nur an einigen Tagen während der Woche. Andere Option: Sie arbeiten eine Woche am Stück und haben in der nächsten Woche frei.

Teilzeitarbeit ist gerade bei Eltern beliebt, die weiterhin im Beruf bleiben, aber gleichzeitig genügend Zeit für ihre Kinder haben möchten. Auch für Arbeitnehmer, die eine Weiterbildung planen, kann das flexible Arbeitszeitmodell Teilzeit das richtige sein. Denn so bleibt auch neben dem Job noch Zeit, um sich auf Prüfungen vorzubereiten.

Aber auch Arbeitgeber können von Teilzeit profitieren: Unvorhergesehene Auftragsspitzen lassen sich so mit den eigenen Mitarbeitern auffangen. Klarer Vorteil im Vergleich zu Leiharbeitern, die erst noch eingearbeitet werden müssten, um in der Firma mit anpacken zu können.

Arbeitszeitmodell Gleitzeit

Hört man den Begriff „flexible Arbeitszeiten“ denkt man wohl in erster Linie an Gleitzeit. Der Grund: Für Mitarbeiter, die in Gleitzeit arbeiten, gibt es die sogenannte Kernarbeitszeit. Zu dieser Zeit müssen sie unbedingt im Unternehmen sein. Zum Beispiel deshalb, um sich mit den Kollegen abzustimmen, oder auch, um die Kundenbetreuung zu gewährleisten.

Außerhalb dieser Kernarbeitszeit bleibt es Mitarbeitern in Gleitzeit meist selbst überlassen, wann sie arbeiten. So können sie beispielsweise an einigen Tagen länger arbeiten, um an anderen etwas früher Feierabend zu machen. Meist wird die gearbeitete Arbeitszeit auf einem Gleitzeitkonto „gesammelt“. Denn Gleitzeit bedeutet nicht automatisch, dass der Mitarbeiter Überstunden macht.

Für Mitarbeiter hat diese Form der flexiblen Arbeitszeit ebenfalls den Vorteil, dass Termine unter der Woche auch mit einem Vollzeitjob möglich sind. Gerade für Familien ist die Gleitzeit außerdem eine gute Möglichkeit, Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bringen. Denn sollte zuhause etwas Dringendes anliegen, kann der Mitarbeiter nach der Kernarbeitszeit nach Hause gehen. Die fehlenden Stunden werden an einem anderen Tag nachgearbeitet oder vom Arbeitszeitkonto abgezogen.

Arbeitszeitmodell Arbeitszeitkonto

Diese Form der flexiblen Arbeitszeiten wird auch Langzeitkonto oder Lebensarbeitszeitkonto genannt. Und gerade der letztgenannte Ausdruck verdeutlicht dabei recht gut, was damit gemeint ist: Mitarbeiter sammeln auf diesem Konto über viele Jahre Überstunden an. Je nachdem, wie viele Überstunden auf dem Arbeitszeitkonto gesammelt werden, können sie unterschiedlich genutzt werden.

Einige Arbeitnehmer legen davon zum Beispiel ein Sabbatical ein, während andere ein paar Jahre früher in Rente gehen – bei vollem Gehalt. Die Flexibilität während der Arbeitswoche hält sich bei diesem Arbeitszeitmodell zwar in Grenzen, dafür können Mitarbeiter einen längeren Zeitraum am Stück der Arbeit fernbleiben.

Vertrauensarbeitszeit

Mitarbeiter mit Vertrauensarbeitszeit können sich ihre Arbeitszeit so einteilen, wie sie es brauchen. Genau genommen gibt es bei diesem Modell überhaupt keine starren Arbeitszeiten. Vielmehr verlässt sich der Chef darauf, dass die Arbeit erledigt wird.

Auf der einen Seite kann das natürlich ganz nett sein, wenn man morgens länger ausschlafen oder auch mal einen Tag während der Woche spontan Urlaub machen kann. Auf der anderen Seite hat dieses Modell auch Tücken. Da es eben keine festen Arbeitszeiten gibt, legt der Arbeitgeber in diesem Arbeitszeitmodell häufig Ziele und Aufgaben fest, die der Beschäftigte erledigen muss.

Sind diese Aufgaben jedoch zu umfangreich, wird aus der flexiblen Arbeitszeit purer Stress. Denn dann geht es nur noch darum, die Vorgaben zu erfüllen – und wann das geschieht, ist dem Chef ja egal. Im schlimmsten Fall leiden die Freizeit und das gesamte Privatleben darunter. Das kann mitunter sogar bis zur Arbeitsunfähigkeit führen. Wenn es nur noch darum geht, möglichst jede Minute für den Job zu nutzen, ist die Freizeit eben keine mehr.

Jobsharing

Flexibel wird das Arbeitszeitmodell Jobsharing dadurch, dass sich zwei Mitarbeiter eine Position teilen. Konkret sprechen sich die beiden Personen untereinander ab, an welchen Tagen wer im Büro ist. Manche Arbeitnehmer einigen sich auch auf eine klare Verteilung. So wissen nicht nur die betreffenden Arbeitnehmer, an welchem Wochentag sie nächsten Monat arbeiten. Auch die Kollegen können sich darauf einstellen.

Im Jobsharing ist es aber außerdem möglich, dringende kurzfristige Termine wahrzunehmen. Sofern sich die Jobsharer gut untereinander abstimmen, lassen sich auch diese Dinge abfedern.

Jobsharing gibt es übrigens auch als sogenanntes Topsharing. Dabei teilen sich zwei Führungskräfte den Job und sind beide gleichermaßen für die Mitarbeiter im Team verantwortlich. Gerade in skandinavischen Ländern ist dieses Modell beliebt. Eltern, die Kinder und Karriere vereinbaren wollen, haben es damit einfacher.

Sowohl beim Jobsharing als auch beim Topsharing kommt es auf gute Kommunikation an. Nicht nur die Arbeitstage und -zeiten müssen abgestimmt werden, sondern auch die Aufgaben klar verteilt und deutlich kommuniziert. Unter Umständen dauert es eine Zeit, bis sich dieses Arbeitszeitmodell im Unternehmen etabliert hat.

Homeoffice

Das Arbeiten von zuhause, also aus dem Homeoffice, ist gerade in jüngster Zeit äußerst populär geworden. Für Mitarbeiter, die sich nach flexiblen Arbeitszeiten sehnen, könnte das Homeoffice eine echte Alternative sein. Denn dabei kann ein Teil der Arbeit oder gleich die gesamte Arbeit zuhause erledigt werden. Der Vorteil: Man ist zu Hause, wenn die Kinder keine Schule haben und betreut werden müssen.

Auf der anderen Seite ist es natürlich gar nicht so einfach, seine Arbeitsaufgaben zu erledigen und gleichzeitig nach den Kindern zu schauen. Daher kann gerade das Homeoffice mit einer Menge Druck und Stress einhergehen. Vor allem dann, wenn die Beschäftigten die Arbeit weit nach Dienstschluss noch erledigen, weil sie während des Arbeitstages nicht dazu gekommen sind.

Bildnachweis: Stokkete / Shutterstock.com


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