Zur Arbeit pendeln: Infos & Tipps für Berufspendler

Zur Arbeit pendeln: Infos & Tipps für Berufspendler

Die wenigsten Arbeitnehmer sind in der glücklichen Lage, in unmittelbarer Nähe ihrer Arbeitsstelle zu wohnen. Der überwiegende Teil der Arbeitnehmer muss zur Arbeit pendeln und ist jeden Tag mit Bus, Bahn, dem eigenen Auto oder dem Fahrrad unterwegs. Das Pendeln zur Arbeit empfinden viele als lästig, außerdem kann es unerwünschte Folgen für die eigene Gesundheit haben. In diesem Beitrag erfährst du, wie viel Pendeln als zumutbar gilt, wie du dir über die Pendlerpauschale Geld zurückholen kannst und wie du den Weg zur Arbeit entspannter gestalten kannst.

Die Mehrheit der Arbeitnehmer pendelt zur Arbeitsstelle

Dass die Arbeit sich direkt neben dem eigenen Zuhause befindet, ist unwahrscheinlich. Das bedeutet für Millionen Arbeitnehmer, dass sie jeden Tag zu Fuß oder – in der Mehrzahl der Fälle – mit einem Verkehrsmittel ins Büro oder den Betrieb aufbrechen müssen. Viele Menschen verbringen einen beträchtlichen Teil ihrer Lebenszeit damit, teilweise weite Strecken zur Arbeit und wieder nach Hause zurückzulegen.

Nur fast jeder vierte deutsche Arbeitnehmer (23 Prozent) pendelte im Jahr 2019 nach Daten des Statistischen Bundesamts nicht zur Arbeit. Der größte Teil der Berufspendler – etwa jeder Dritte (32 Prozent) – brauchte 15 bis 29 Minuten zur Arbeitsstelle. Bei jedem Fünften (21 Prozent) dauert der Arbeitsweg 30 bis 59 Minuten. 18 Prozent der Befragten hatten es mit bis zu 15 Minuten nicht weit zum Arbeitsplatz, dafür dauerte die Fahrt für fünf Prozent zwischen einer und zwei Stunden. Länger als zwei Stunden war der Arbeitsweg nur für ein Prozent der Befragten.

Viele Berufspendler bewegen sich täglich über Stadtkreis- oder Landkreisgrenzen hinweg oder arbeiten sogar in einem anderen Bundesland. Nach Daten zu Pendlerverflechtungen der Bundesagentur für Arbeit verließen im Jahr 2018 knapp 60 Prozent der Arbeitnehmer ihren Wohnort, um zur Arbeit zu fahren. Im Jahr 2000 waren es noch 54 Prozent gewesen. 39 Prozent der Arbeitnehmer pendelten demnach zu einem Job in einem anderen Stadt- oder Landkreis.

Wenn der Tag mit Stau beginnt

Vor allem in Ballungsräumen können die Pendelzeiten zur Arbeit lang sein. Besonders die Metropolen ziehen viele Berufspendler an, die im Umland oder weiter entfernt leben. Der Spitzenreiter im Jahr 2018 war München. Nach Angaben der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt pendelten 390.000 Menschen regelmäßig von außerhalb in die bayerische Landeshauptstadt. Ähnlich sah es in Frankfurt am Main (374.000), Hamburg (350.000) und Berlin (315.000) aus.

Besonders in den Ballungsräumen sind oft nicht nur weite Strecken zurückzulegen. Einen Teil der Pendelzeit verbringen viele im Stau. Am längsten standen Berufspendler im Jahr 2018 in Berlin im Stau – durchschnittlich 154 Stunden oder knapp sechseinhalb Tage.

Die Gründe für die teilweise langen Pendelzeiten sind simpel: Entweder, es gab keinen Job in unmittelbarer Nähe des eigenen Wohnorts, oder es gab keinen (bezahlbaren) Wohnraum in der Nähe des Arbeitsplatzes. Mitunter scheitert ein Umzug an den damit verbundenen Kosten, aber auch familiäre Bindungen können einem Ortswechsel entgegenstehen. Manchmal befindet sich die Arbeitsstätte auch an einem Ort, an dem manche Mitarbeiter nicht leben möchten.

Pendeln für den Job kann der Gesundheit schaden

Zur Arbeit pendeln zu müssen, empfinden viele Arbeitnehmer als anstrengend. Pendeln ist oft nicht nur subjektiv nervig, sondern kann nachweislich negative Folgen für das eigene Wohlbefinden und die Gesundheit haben. Berufspendler müssen früher aufstehen, nach der Arbeit bleibt ihnen weniger Freizeit. Dadurch sind sie häufig müder und gestresster als Arbeitnehmer, die es nicht weit zum Job haben.

Eine Fahrt in öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Auto empfinden viele Betroffene als stressig. Wer den ÖPNV nutzt, erkältet sich eher oder zieht sich andere Infektionskrankheiten zu. Die Geräuschkulisse und Essensgerüche können an den Nerven zehren. Wer mit dem Auto fährt, hat eher Rückenprobleme; das Herz-Kreislauf-System wird vielfach durch zu wenig Bewegung und Stress bei der Fahrt angegriffen. Bei der Fahrt mit dem Auto steigt zudem häufig der Blutdruck, was das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erhöhen kann. Autofahrer gelten als tendenziell gestresster als Arbeitnehmer, die den ÖPNV für den Arbeitsweg nutzen. Sie müssen sich die ganze Zeit konzentrieren und können nicht abschalten.

Je voller die Bahnen und Busse sind, desto anstrengender wird die Fahrt in öffentlichen Verkehrsmitteln für viele Betroffene. Wer sich jeden Tag auf dem Weg zur und von der Arbeit gestresst fühlt, ist eher unzufrieden und mitunter sogar weniger leistungsfähig im Job. Schlafstörungen und Erschöpfungsgefühle können sich einstellen. Belastend empfinden viele zudem den Druck, der sich ergibt, wenn eine Bahn Verspätung hat oder ein Stau entsteht. Die Sorge, nicht rechtzeitig zu einem Termin oder dem Arbeitsbeginn vor Ort zu sein, erzeugt zusätzlichen Stress.

Zur Arbeit pendeln als zusätzliche Belastung

Oft ist es nicht das Pendeln allein, das zum Problem wird. Vielmehr kommt es zu der schon bestehenden Belastung hinzu, die sich aus dem Arbeits- und Privatleben ergibt. Wer lange Pendelzeiten hat, hat weniger Zeit für die Familie und sich selbst. Viele Betroffene können dadurch keinen Ausgleich schaffen, der für die Entspannung wichtig wäre. Es bleibt auch weniger Zeit für ausreichend Schlaf.

Wissenschaftler der Universität Waterloo in Kanada haben herausgefunden, dass die Länge des Arbeitswegs unmittelbar mit der Zufriedenheit zusammenhängt. Eine Umfrage unter 3400 Berufspendlern ergab: Je länger der Arbeitsweg, desto unzufriedener sind die Betroffenen.

Wie lästig das Pendeln empfunden wird, hängt auch von den Gründen dafür ab. Wer etwa ganz bewusst draußen im Grünen lebt, ist oft eher bereit zum Pendeln – anders, als wenn sich der längere Arbeitsweg daraus ergibt, dass man sich keine Wohnung nahe der Arbeitsstelle leisten kann.

Wie viel Pendeln ist zumutbar?

Wie lang darf der Arbeitsweg sein? Diese Frage treibt vor allem Arbeitnehmer um, denen eine Versetzung an einen anderen Standort droht. Auch für Arbeitslose, die weit entfernte Stellenangebote annehmen sollen, ist sie wichtig. Eine pauschale Regelung gibt es jedoch nicht. Es hängt von den Umständen im Einzelfall ab, was als zumutbar gilt.

Ob eine Versetzung überhaupt möglich ist, hängt von den Regelungen des Arbeitsvertrags ab. Steht dort nur ein Arbeitsort, ist eine Versetzung ohne Weiteres nicht möglich. Lässt der Arbeitgeber bewusst offen, an welchem Standort der Mitarbeiter eingesetzt wird, sieht es hingegen schlechter aus. Mitarbeiter sind dann gezwungen, der Versetzung zuzustimmen – vorausgesetzt, das ist für sie zumutbar. Dabei spielt nicht nur die Entfernung eine Rolle, sondern auch die Frage, ob der Angestellte Familie und Kinder oder andere Verpflichtungen hat. Der Arbeitgeber muss eine Interessenabwägung vornehmen und gegebenenfalls einen anderen Mitarbeiter versetzen, für den der Arbeitsweg kürzer wäre oder der ungebundener ist.

Arbeitslose dürfen zumutbare Stellenangebote nicht ohne Weiteres ablehnen, wenn sie keine Leistungskürzungen riskieren wollen. Paragraf 140 SGB III (4) legt jedoch fest, dass der Arbeitsweg nicht unverhältnismäßig lang sein darf. Das bedeutet, dass Pendelzeiten von insgesamt mehr als zweieinhalb Stunden bei einer Arbeitszeit von sechs Stunden oder mehr nicht verhältnismäßig wären. Bei einer Arbeitszeit von höchstens sechs Stunden sollte der Arbeitsweg insgesamt nicht länger als zwei Stunden sein. Dennoch sind unter Umständen auch längere Pendelzeiten zumutbar – wenn diese in der Region unter vergleichbaren Beschäftigten üblich sind.

Pendlerpauschale: Das solltest du darüber wissen

Für alle, die zur Arbeit pendeln müssen, gibt es ein Trostpflaster: die Pendlerpauschale, offiziell Entfernungspauschale genannt. Dabei handelt es sich um eine teilweise Erstattung der Kosten für die Fahrt zur Arbeit. Pro zurückgelegtem Kilometer bekommen Arbeitnehmer 30 Cent. Nach einem Beschluss der Bundesregierung soll die Pendlerpauschale im Rahmen des Klimapakets vom Jahr 2021 an steigen. Zunächst soll sie auf 35 Cent je Kilometer angehoben werden.

Die Pendlerpauschale kann als Teil der Werbungskosten in der Einkommenssteuererklärung geltend gemacht werden. Die Kosten für einen Teil des Arbeitswegs werden von der Steuer abgezogen. Mindestkilometer gibt es bei der Pendlerpauschale nicht. Zur Berechnung wird der kürzeste Weg der einfachen Strecke herangezogen – es sei denn, du kannst nachweisen, dass eine längere Strecke verkehrstechnisch günstiger ist.

Nicht nur Autofahrer profitieren von der Pendlerpauschale: Sie gilt generell für Fahrten zur Arbeit – ungeachtet des genutzten Verkehrsmittels. Deshalb bekommst du auch dann über die Steuererklärung Geld zurück, wenn du Bahn, Bus oder das Fahrrad zum Pendeln nutzt.

Zuschüsse vom Arbeitgeber müssen verrechnet werden

Wer nicht den eigenen Wagen nutzt, kann sich auf diese Weise höchstens 4500 Euro pro Jahr erstatten lassen. Für Berufspendler mit doppelter Haushaltsführung gilt diese Grenze nicht. Falls der Arbeitgeber Spesen zahlt oder eine Jahreskarte für den ÖPNV finanziert, muss das in der Steuererklärung verrechnet werden. Wer einen Firmenwagen nutzt, kann in der privaten Steuererklärung keine Pendlerpauschale geltend machen. Trotzdem kann die Nutzung eines Firmenwagens sinnvoll sein – schließlich nutzt du dein eigenes Fahrzeug dabei nicht ab und hast keine Spritkosten.

Mit Rechnern im Internet kannst du die mögliche Höhe deiner Pendlerpauschale berechnen. Du gibst dann an, wie lang dein Arbeitsweg ist, wie viele Arbeitstage du hattest und ob du zeitweise andere Verkehrsmittel genutzt hast.

Tipps für Berufspendler: So wird die Fahrt zur Arbeit entspannter

Musst du jeden Tag zur Arbeit pendeln und bist davon genervt? Dann können dir die folgenden Tipps helfen, den Arbeitsweg entspannter zu gestalten.

1. Flexible Arbeitszeiten nutzen

Die Rushhour morgens und nachmittags kannst du vermeiden, wenn du flexible Arbeitszeiten hast. Vielleicht ist es möglich, später oder früher anzufangen? Wenn weniger auf den Straßen oder im öffentlichen Nahverkehr los ist, wenn du zur oder von der Arbeit fährst, bist du nicht nur schneller, sondern auch entspannter unterwegs. Gleitzeit sorgt auch dafür, dass es nicht mehr so wichtig ist, ob du eine Viertelstunde früher oder später da bist. Praktisch für ÖPNV-Nutzer: Das Ticket ist oft günstiger, wenn du außerhalb der Stoßzeiten unterwegs bist.

2. Bei der Fahrt mit dem Auto: Ruhe bewahren

Der größte Stress entsteht für viele Berufspendler, die das Auto nutzen, durch die Angst, zu spät zu kommen. Wer durch zähen Verkehr oder Stau womöglich nicht mehr pünktlich zur Arbeit oder einem Termin erscheinen kann, hat oft einen stark erhöhten Blutdruck und einen schnelleren Herzschlag. Einer Studie des britischen Stressforschers David Lewis zufolge erzeugt ein plötzlicher Stau bei Berufspendlern denselben Stresspegel, den ein Kampfpilot im Einsatz erlebt. Das belastet das Herz-Kreislauf-System. Wenn du im Zeitdruck bist, fühlst du dich wahrscheinlich ohnmächtig – und genau das bist du auch. Akzeptiere, dass du nur sehr begrenzt beeinflussen kannst, wie schnell du vor Ort bist. Bleibt ruhig, wechsele nicht ständig die Spur und mache keine waghalsigen Manöver. Damit erreichst du meist nichts, machst dir aber noch mehr Stress und riskierst einen Unfall.

3. Fahrgemeinschaften bilden

Wer sagt, dass du alleine im Auto zur Arbeit fahren musst? Womöglich gibt es in deiner Firma oder bei benachbarten Arbeitgebern Mitarbeiter, die in deiner Nähe wohnen. Dann könnt ihr eine Fahrgemeinschaft bilden. Der Vorteil: Ihr könnt euch abwechseln, so dass du nicht ständig selbst hinter dem Steuer sitzen musst. Als Mitfahrer kannst du dich eher entspannen.

4. Die Pendelzeit sinnvoll nutzen

Das Pendeln zur und von der Arbeit wird angenehmer, wenn du in dieser Zeit etwas Schönes machst. Lies ein Buch, hör Musik oder ein Hörbuch – oder schau einfach aus dem Fenster. Im öffentlichen Nahverkehr starrt fast jeder auf sein Smartphone. Das geschieht häufig aus Langeweile – und kann ermüden und für Kopfschmerzen sorgen. Lass das Handy öfter mal in der Tasche – und schließe lieber für einen Moment deine Augen. Selbst Meditieren kannst du bei der Fahrt in Bahn oder Bus.

5. Einen Ausgleich schaffen

Gerade Berufspendler, die mit dem Auto unterwegs sind, bewegen sich häufig kaum. Sie laufen nur zum Auto und vom Parkplatz zum Arbeitsplatz. Dann ist es wichtig, einen Ausgleich zu schaffen. Wenn du Sport machen möchtest, suche dir etwas, das dich nicht nur fit hält, sondern dir auch Spaß macht. Sonst fühlt es sich an wie ein weiterer Punkt auf der To-Do-Liste. Achte auch darauf, genügend zu schlafen. Wie lange und gut du schläfst hat großen Einfluss darauf, wie du dich tagsüber fühlst und wie es um deine Gesundheit steht.

6. Alternative Verkehrsmittel prüfen

Möglicherweise wäre die Fahrt zur Arbeit weniger anstrengend, wenn du ein anderes Verkehrsmittel nehmen würdest. Wer bislang mit dem Auto fährt, kann etwa zur nächsten Bahn-Haltestelle fahren und den Rest des Weges in öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen. Wenn dein Arbeitsplatz nicht so weit weg ist, könntest du vielleicht auch das Fahrrad nutzen.

Bildnachweis: TK Kurikawa