Vereinbarkeit von Familie und Beruf: So kann der Spagat gelingen

Vereinbarkeit von Familie und Beruf: So kann der Spagat gelingen

Wer in Vollzeit arbeitet, ist damit mindestens 40 Stunden pro Woche beschäftigt – noch mehr, wenn Überstunden an der Tagesordnung sind. Dann noch genug Zeit für die Familie zu finden, kann eine Herausforderung sein. Nicht immer ist es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gut bestellt. Das sorgt schnell für Frust und kann Dauerstress erzeugen. Was tun, wenn die Familie zu kurz kommt? Wir haben Ideen, wie es dir gelingen kann, Job und Familie unter einen Hut zu bekommen.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Oft ein Wunschtraum

Viele Menschen haben gleich mehrere Ziele im Leben. Sie möchten einen guten Job haben und Karriere machen. Gleichzeitig gibt es noch ein Privatleben abseits des Berufs, welches ihnen ebenfalls wichtig ist. Sie möchten Kinder und eine Familie, fragen sich aber, wie gut sich das mit dem Beruf vereinbaren lässt. Die Antwort in vielen Fällen: schlecht.

Die Doppelbelastung führt dazu, dass viele Betroffene ständig das Gefühl haben, allem hinterherzuhetzen. Ihnen fehlt die Zeit für das, was sie machen müssen oder möchten. Dann bleibt etwa wenig Zeit, um sich in Ruhe mit den Kindern zu beschäftigen – geschweige denn, etwas Schönes für sich selbst zu machen. Wird eine solche Situation zum Dauerzustand, kann permanenter Stress die Folge sein. Die Phasen der Entspannung kommen zu kurz, was körperliche und psychische Probleme nach sich ziehen kann.

Zwar haben auch Arbeitgeber erkannt, wie wichtig vielen Mitarbeitern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist, und bieten etwa flexiblere Arbeitsbedingungen oder eine betriebseigene Kita. Das kann für Betroffene zu einer spürbaren Verbesserung führen. Allerdings gibt es vielerorts noch großen Nachholbedarf. Schon die regulären Arbeitszeiten können ein Problem für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sein. Wer in Vollzeit beschäftigt ist, dann noch Überstunden machen oder auf Dienstreise gehen muss, der sieht seine Familie womöglich zu wenig und nimmt nicht in dem Umfang am Familienleben teil, wie er es sich eigentlich wünschen würde.

Familienfreundliche Arbeitgeber sind attraktiver für Arbeitnehmer

Dabei haben auch Unternehmen etwas davon, wenn sie ihren Mitarbeitern im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf entgegenkommen. Viele Arbeitgeber haben den Wert von Employer Branding längst erkannt. Die Arbeitgebermarke – das Image des Unternehmens – entscheidet auch darüber, ob sich Jobsuchende überhaupt bei diesem Unternehmen bewerben. Gilt der Arbeitgeber als wenig familienfreundlich, suchen viele Bewerber mit Familie lieber anderswo.

Umgekehrt gilt: Wer seinen Mitarbeitern flexible Arbeitsbedingungen bietet und ihnen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf entgegenkommt, kann punkten. Die Attraktivität dieses Arbeitgebers steigt. Wahrscheinlich bewerben sich mehr qualifizierte Arbeitnehmer, die vorhandenen Mitarbeiter sind zufriedener und ausgeglichener. Das wirkt sich meist unmittelbar auf ihre Arbeitsleistung aus. Wenn die Work-Life-Balance stimmt, sind Arbeitnehmer oft produktiver – das kommt dem Arbeitgeber unmittelbar zugute.

Warum es an der Vereinbarkeit von Familie und Beruf oft mangelt

In der Theorie haben sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer etwas davon, wenn die Bedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gut sind. In der Praxis gibt es jedoch an vielen Stellen nach wie vor Probleme. So sind etwa starre Arbeitszeiten, wie es sie noch immer in vielen Unternehmen gibt, nicht eben familienfreundlich. Mütter und Väter profitieren von flexiblen Arbeitszeiten, die ihnen etwa erlauben, ihr Kind rechtzeitig aus der Kita zu holen, einen Arzttermin vor die Arbeit zu schieben oder auch mal früher zu gehen, wenn es aus familiären Gründen nötig ist.

Auch lange Arbeitszeiten, Überstunden als Standard und die fehlende Möglichkeit zur Arbeit in Teilzeit sind ein Hindernis für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Zwar haben Arbeitnehmer in den meisten Fällen ein Recht auf Teilzeit, wenn es keine dringenden betrieblichen Gründe gibt, die dagegensprechen. In der Praxis sind viele Arbeitgeber jedoch nicht begeistert, wenn ein solcher Wunsch geäußert wird. Mancher Arbeitnehmer traut sich deshalb gar nicht erst, zu fragen – aus Angst vor unerwünschten Folgen oder einem Schaden für die Karriere.

Dass viele Arbeitsplätze befristet sind, trägt ebenfalls nicht dazu bei, die Lage von Eltern oder Paaren, die über Nachwuchs nachdenken, zu verbessern. Mit einer befristeten Stelle ist immer eine Ungewissheit darüber verbunden, was danach kommt. Wird der Vertrag verlängert – oder muss man sich rechtzeitig etwas Neues suchen? In einer solchen Situation ist die Familienplanung schwierig.

Kinderbetreuung als Problem

Ein weiteres Problem für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf betrifft die Betreuungsmöglichkeiten kleiner Kinder. Vielerorts mangelt es an Kitaplätzen – und selbst wenn ein Platz gefunden ist, heißt das noch nicht, dass das Kind dort so lange betreut werden kann, wie es für die Eltern berufsbedingt nützlich wäre. Manchmal sind es auch die hohen Kosten für eine Ganztagesbetreuung, die einen Strich durch die Rechnung machen. Ohne Kitaplatz müssen die Eltern sich eine andere Art der Betreuung überlegen. Praktisch, wenn dann die Großeltern in der Nähe wohnen. Ohne alternative Betreuungsmöglichkeiten bleibt Betroffenen nur, in Teilzeit oder gar nicht zu arbeiten.

Problematisch für Eltern sind auch Jobs, bei denen viele Dienstreisen vorgesehen sind. Wer regelmäßig einen oder sogar mehrere Tage pro Woche unterwegs ist, der sieht von seiner Familie wahrscheinlich nicht viel. Dabei ließen sich viele Meetings auch problemlos auf digitalem Weg durchführen – vom Schreibtisch im Büro aus oder sogar aus dem Home-Office.

Apropos Home-Office: Auch hier gibt es noch Nachholbedarf. Nicht nur viele Eltern würden gerne öfter von zuhause aus arbeiten. Auch, wenn sich diesbezüglich viel getan hat: So mancher Arbeitgeber steht dem Home-Office skeptisch gegenüber oder kümmert sich nicht um die technischen Lösungen, die dafür erforderlich wären.

Tipps für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Sowohl einen Job als auch Familie zu haben, muss nicht zwangsläufig zu Stress als Dauerzustand führen. Klar ist: Wer arbeitet und Kinder hat, wird immer eine gewisse Doppelbelastung aushalten müssen. Allerdings gibt es durchaus Wege, die eigene Situation zu verbessern. Die folgenden Tipps können dir dabei helfen, alles unter einen Hut zu bekommen.

Suche dir einen familienfreundlichen Arbeitgeber

Wenn du nach einem neuen Job suchst, solltest du nicht nur darauf achten, welche Aufgaben auf dich warten und wie namhaft der Arbeitgeber ist. Schaue genau hin, wenn es um die Familienfreundlichkeit geht. Wie flexibel kann die Arbeitszeit gestaltet werden? Steht der Arbeitgeber einer (zeitweisen) Tätigkeit in Teilzeit offen gegenüber? Gibt es womöglich sogar eine betriebseigene Kita – oder beteiligt sich der Arbeitgeber an den Betreuungskosten?

Gerade bei größeren Unternehmen kannst du dir oft ein gutes Bild anhand der Bewertungen des Arbeitgebers auf entsprechenden Portalen machen. Scheue dich auch nicht, in einem Vorstellungsgespräch direkt nachzufragen, was der Arbeitgeber für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf tut. Wenig familienfreundliche Arbeitgeber überdenken die Lage in ihrem Unternehmen wahrscheinlich erst, wenn genügend Mitarbeiter oder Bewerber zeigen, wie wichtig ihnen dieser Aspekt ist. Schließlich möchte der Arbeitgeber fähige Bewerber von sich überzeugen und gute Mitarbeiter im Unternehmen halten.

In Teilzeit arbeiten

Wenn du und deine Familie es euch leisten könnt, könnt ihr überlegen, ob einer von euch – oder beide – in Teilzeit arbeiten könnten. Prinzipiell muss der Arbeitgeber einer entsprechenden Bitte in vielen Fällen nachkommen, falls er nicht gute Gründe vorbringen kann, warum das nicht möglich ist. In der Praxis kommt es nicht nur auf das Entgegenkommen des Arbeitgebers an. Auch die Perspektive ist entscheidend: Kann man sich einigermaßen sicher sein, dass man seinen alten Job nach einer Phase der Teilzeit wiederbekommt? Und wie sieht es mit den Karrierechancen aus? Noch ist Teilzeit leider viel zu oft ein Karrierekiller.

Öfter aus dem Home-Office arbeiten

Eltern, die regelmäßig im Home-Office arbeiten, gelingt es oft besser, Familie und Beruf zu vereinen. Wer von zuhause aus arbeitet, spart nicht nur Zeit, die ansonsten für den Weg zur und von der Arbeit nötig wäre. Auch die Betreuung der Kinder kann so besser gelingen. Theoretisch müssten die Kinder nicht anderweitig betreut werden, wenn ein Elternteil im Home-Office ist. Praktisch geht das jedoch nur, wenn das Kind sich auch mal selbst beschäftigen kann. Wer ständig abgelenkt wird, kann sich nicht auf seine Arbeit konzentrieren – was wiederum für Stress sorgt.

Keine Arbeit in der Freizeit

Feierabend heißt für viele Menschen nicht tatsächlich Feierabend. Sie beantworten noch vom Sofa aus Mails oder bereiten am Laptop etwas für den nächsten Arbeitstag vor. Davor solltest du dich hüten, wenn dir an der Vereinbarkeit von Familie und Beruf gelegen ist. Wer ständig in der Freizeit arbeiten, darf sich nicht wundern, wenn für die Familie zu wenig Zeit bleibt. Widerstehe deshalb der Versuchung, geschäftliche E-Mails zu lesen oder zu beantworten, eine Präsentation zu erstellen oder Anrufe entgegenzunehmen. Freizeit heißt Freizeit. Nutze sie für das, was dir wirklich wichtig ist – und nicht für das, von dem du denkst, dass du es tun solltest.

Nimm dir Zeit für dich

Zeit für mich? Das mag für viele gestresste Eltern illusorisch klingen. Dabei ist niemandem geholfen, wenn du zwar in allen anderen Bereichen deines Lebens Vollgas gibst, aber du dir selbst keine Entspannung gönnst. Nimm dir regelmäßig Zeit für Dinge, die dich glücklich machen. Das muss nicht einmal viel Zeit in Anspruch nehmen: Auch ein Spaziergang oder eine Tasse Tee können einen Unterschied machen. Fühl dich nicht schuldig, wenn du dich um dich kümmerst. Wenn du selbst nicht glücklich bist, führt das womöglich zu Stress in der Familie. Und vom Aufstieg im Job hast du wenig, wenn du trotzdem unzufrieden bist.

Eigene Ansprüche überdenken

Viele Menschen sind Perfektionisten. Sie wollen im Job glänzen und gleichzeitig der perfekte Vater oder die perfekte Mutter sein. Solche Ansprüche sind im Alltag oft unrealistisch – und das muss nicht schlimm sein. In stressigen Phasen kommst du im Job womöglich auch über die Runden, wenn du nicht bei jeder Aufgabe 110 Prozent gibst. Und erwarten deine Kinder wirklich, dass sie sowohl zum Geigenunterricht als auch zum Ballett gefahren werden? Hobbys von Kindern erzeugen Stress, weil die Kinder hingefahren und abgeholt werden müssen. Dabei sind es oft gar nicht die Kinder, die Wert auf diese Hobbys legen, sondern die Eltern. Überlege kritisch, was dein Kind eigentlich will – und ob man nicht an der einen oder anderen Stelle Abstriche machen könnte. Womöglich bist du überrascht, wenn du feststellst, dass dein Kind sich über die zusätzliche Zeit zum Spielen genauso freut wie du über den geringeren Termindruck.

Du musst auch nicht an jedem Tag die Supermama oder der Superpapa sein. Natürlich ist es wichtig, dass du Zeit mit deinem Kind verbringst. Dein Kind wird es jedoch auch genießen, wenn du einfach mit ihm spielst oder ihm vorliest. Ihr müsst nicht ständig gemeinsam Eltern-Kind-Aktivitäten in einer Gruppe, außergewöhnliche Ausflüge oder besonders produktive Dinge machen. Das gilt auch für das Wochenende. Viele Eltern versuchen, am Wochenende alles unterzubringen, was sie unter der Woche nicht geschafft haben. Der Plan, an einem Wochenende das ganze Haus sauber zu machen, mit den Kindern unterwegs zu sein und auch noch das eigene Hobby zu pflegen, ist oft von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Prioritäten setzen

Womit wir beim nächsten Punkt wären: Prioritäten. Man kann nicht alles machen, egal, wie viel Zeit und Energie man aufwendet. Früher oder später rächt es sich, wenn du dir wegen deiner hohen Ansprüche in jedem Lebensbereich zu viel aufbürdest.

Angenommen, ein Arbeitnehmer hat einen Job, in dem er Karriere machen möchte. Er leistet regelmäßig Überstunden und engagiert sich mehr als nötig – schließlich möchte er vorankommen. Zuhause hat er eine Familie, mit der er ebenfalls genügend Zeit verbringen möchte. Außerdem hat er ein zeitintensives Hobby, das ihm wichtig ist. Und dann wäre da noch der Haushalt. Schwer vorstellbar, dass diese Person ausgeglichen und zufrieden ist. Deutlich wahrscheinlicher ist es, dass sie das Gefühl hat, an jeder Ecke hinterherzuhinken.

Die Zeit jedes Menschen ist begrenzt. Das führt unweigerlich dazu, dass man nicht alles machen kann, was man gerne machen würde. Umso wichtiger ist es, dass du Prioritäten setzt und dein Leben danach ausrichtest. Das kann zu der Frage führen, was dir im Zweifel wichtiger ist: deine Karriere, deine Familie oder auch ein Hobby. Ist dir deine Familie am wichtigsten, kann das bedeuten, dass du im Beruf Anpassungen vornehmen musst – zum Beispiel, indem du deine Erwartungen an deine Karriere senkst oder dir einen anderen Job suchst, mit dem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf leichter ist.

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