Eine Frau blickt aus dem Fenster, wie lässt sich Unsicherheit überwinden?

Unsicherheit überwinden: Wie sie entsteht und was du tun kannst

Manche Menschen leiden unter sozialer Unsicherheit, andere verspüren innere Unsicherheit bei bestimmten Aufgaben und bei wieder anderen zeigt sich die Unsicherheit beim Autofahren. Die Ausprägung ist unterschiedlich: Während einige Personen sich nur Unbehagen vernehmen, bekommen andere Panikattacken. Woher das Gefühl der Unsicherheit kommt und welche Tipps helfen können, die Unsicherheit zu überwinden, verraten wir hier.

Unsicherheit und Selbstzweifel: Woher kommen sie?

Wenn wir unsicher sind, neigen wir dazu, unsere Entscheidungen schneller zu hinterfragen. Wir zweifeln zum Beispiel daran, ob unsere Entscheidung von gestern wirklich die beste war, die wir hätten treffen können.

Eine andere Form der Unsicherheit ist der Zweifel an den eigenen Fähigkeiten und Kenntnissen. Gerade im Berufsleben berichten immer mehr Führungskräfte und Leistungsträger davon, dass sie unter dem sogenannten Imposter-Syndrom (Hochstapler-Syndrom) leiden. Diese Unsicherheit geht so weit, dass man befürchtet, bald enttarnt zu werden. Betroffene haben den Eindruck, dass sie bestenfalls mittelmäßige Ergebnisse erzielen und für ihre Aufgaben eigentlich nicht ausreichend qualifiziert sind.

Mit der Realität hat dieser Eindruck oft wenig Berührungspunkte. Denn tatsächlich gehören Personen, die unter dem Hochstapler-Syndrom leiden, in vielen Fällen zu den Leistungsträgern im Unternehmen. Sie halten sich zwar für Low Performer, sind in Wirklichkeit aber High Performer. Ein Grund für diese falsche Selbsteinschätzung ist Unsicherheit.

Unsicherheit hat viele Gesichter

Wer unsicher ist, traut sich nicht viel zu. Beruflich wie privat haben unsichere Personen Probleme damit, vor einer größeren Gruppe von Menschen zu sprechen. Eine Präsentation vor einem potenziellen Neukunden halten? Bitte nicht ich! Sich bei der Wahl zum Vorsitzenden als Kandidat aufstellen lassen? Undenkbar!

Unsicherheit kann dazu führen, dass Menschen sich Chancen entgehen lassen, die sich in Wahrheit gerne verfolgen würden. Oder sie schrecken gleich ganz vor Herausforderungen zurück, weil ihnen das nötige Selbstbewusstsein fehlt.

Unsicherheit kann noch weitere Konsequenzen haben: Wer andauernd an seinen Fähigkeiten zweifelt, der zweifelt irgendwann an all seinen Entscheidungen und seinem Verhalten. Unsicherheit führt also nicht nur dazu, dass sich das eigene Selbstbewusstsein verringert, sondern sie kann auch zur Folge haben, dass sich Betroffene nichts mehr zutrauen und ihre Leistung ständig abwerten.

Der traurige Endpunkt dieser Entwicklung kann sein, dass die Unsicherheit zur Selbstsabotage führt. Im Berufsleben zweifeln unsichere Personen beispielsweise daran, dass ihre Arbeit gut ist. Sie überarbeiten immer und immer wieder ihr Arbeitsergebnis, ohne wirklich etwas zu verbessern. Oft ist ihnen selbst unklar, was sie verbessern müssten oder könnten. Sie können sich kaum auf ihr eigenes Urteil verlassen und treffen zum Teil kontraproduktive Entscheidungen.

Selbstzweifel und Unsicherheit: So äußern sie sich

Selbstzweifel und innere Unsicherheit können sich auf unterschiedliche Weise äußern. Unsicherheit beim Autofahren zum Beispiel kann sich darin zeigen, dass Betroffene das Autofahren im Stadtverkehr oder das Rückwärtseinparken vermeiden.

Personen, die Situationen meiden, in denen sie vor anderen Menschen sprechen oder agieren müssen, könnten von sozialer Unsicherheit betroffen sein. Diese Form der Unsicherheit ist ziemlich weit verbreitet. Sie kann auch dazu führen, dass sozial unsichere Personen kaum noch Kontakte knüpfen. Im Berufsleben wirkt sich das negativ aus, weil viele Jobs über Empfehlungen und das eigene Netzwerk vergeben werden. Im Privatleben führt die Unsicherheit dazu, dass man kaum neue Freundschaften knüpft und im schlimmsten Fall bei einem Umzug in eine neue Stadt keinen Anschluss findet.

Zu den allgemeinen Symptomen, die darauf hindeuten, dass du dich unsicher fühlst, gehören:

  • Schwitzige Hände, was einen schlechten ersten Eindruck beim Vorstellungsgespräch machen könnte.
  • Zitternde Stimme, wodurch Bewerber möglicherweise als wenig selbstsicher wahrgenommen werden.
  • Erhöhter Stresspegel, was ein Problem ist, wenn du durchdachte Entscheiden treffen möchtest.
  • Ständige Sorgen, permanentes Grübeln. Im schlimmsten Fall kannst du deshalb nicht schlafen und machst am nächsten Tag auf der Arbeit eher Fehler, was wiederum die Unsicherheit befeuert – ein Teufelskreis.
  • Kurzatmigkeit bis hin zu Panikattacken. Wenn sich die Unsicherheit bei dir so äußert, solltest du professionelle Hilfe suchen. Körperliche Reaktionen dieser Art solltest du mit einem Arzt besprechen.

Unsicherheit überwinden: So kann es gelingen

Unsicherheit zu überwinden ist ein längerer Prozess. Denn Unsicherheit kann zu einem festen Bestandteil des Verhaltens werden, zu einem Teil der Persönlichkeit. Erwarte nicht, dass du mit ein paar kleinen Übungen sofort deine Unsicherheit überwinden kannst. Nimm dir stattdessen ausreichend Zeit für den Prozess und plane auch Rückschläge ein.

Unsicherheit beim Autofahren überwinden

Hast du erst kürzlich den Führerschein gemacht und bist nun die ersten Male allein unterwegs, gehört Unsicherheit beim Autofahren dazu und ist völlig normal. Meist genügt es, etwas Erfahrung zu sammeln und sich bei den ersten Autofahrten nicht zu viel vorzunehmen.

Sollte deine Unsicherheit beim Autofahren daher rühren, dass du vor nicht allzu langer Zeit in einen Unfall verwickelt warst oder du umgezogen bist und du dich in deiner neuen Umgebung noch nicht so richtig gut auskennst, hilft ebenfalls Übung.

Die Tipps in der Übersicht:

  • Zwinge dich dazu, regelmäßig Auto zu fahren: Auch wenn du überhaupt keine Lust dazu hast oder die Angst vor dem nächsten Unfall groß ist. Du kannst deine Unsicherheit beim Autofahren nur überwinden, wenn du dich der Herausforderung stellst.
  • Nimm dir Zeit und such vorab wenig befahrene Strecken aus: Überfordere dich nicht, sondern lass es ruhig angehen. Suche vorab im Netz nach geeigneten Strecken, auf denen du dich (wieder) langsam an den normalen Straßenverkehr herantasten kannst. Es sollte möglich sein, dass du auf diesen Strecken auch mal langsamer fährst, ohne andere Verkehrsteilnehmer zu behindern.
  • Reduziere alle Ablenkungen im Auto: Musik und andere akustische Ablenkungen solltest du schon vor deiner Fahrt abschalten. Außerdem solltest du voll bei der Sache sein. Brich nicht zur Übungsfahrt auf, wenn dir zahllose Dinge im Kopf umherschwirren und du dich nicht konzentrieren kannst.

Soziale und innere Unsicherheit überwinden

Für diese beiden Arten der Unsicherheit kannst du ähnliche Tipps ausprobieren:

  • Konzentriere dich auf positive Aspekte deiner Person: Unsicherheit kommt häufig daher, dass wir unsere Stärken nicht richtig erkennen und einschätzen können. Versuche daher im ersten Schritt, deine Stärken und Vorteile zu analysieren. Das musst du nicht alleine machen. Frage gerne auch Bekannte oder Arbeitskollegen, ob sie zwei oder drei Dinge nennen können, die ihnen besonders positiv an dir auffallen. Das positive Feedback anderer Personen ist ein Schub für das Selbstbewusstsein und kann helfen, Unsicherheit zu überwinden.
  • Suche nach Möglichkeiten zum Üben: Wenn du kontaktscheu bist oder Angst davor hast, vor großen Gruppen zu sprechen, kann gerade der soziale Kontakt dir dabei helfen, deine Unsicherheit zu verringern. Denn durch den Kontakt zu anderen Menschen lernst du, dass nichts Schlimmes passieren kann und du keinen Grund hast, ängstlich oder unsicher zu sein. Du kannst in einer kleinen Gruppe anfangen, deine sozialen Kompetenzen zu trainieren, etwa im Sportverein. Oder du engagierst dich ehrenamtlich und kommst so mit neuen Menschen in Kontakt.
  • Verstehe, dass andere Personen sich ähnlich fühlen: Verdeutliche dir, dass auch andere Personen nicht immer vor Selbstvertrauen strotzen – selbst wenn es so scheint. Ein wenig aufgeregt zu sein, wenn man vor fremden Menschen sprechen muss, ist völlig normal. Wenn du dir das immer wieder sagst, kann das einen positiven Einfluss auf deine eigene Unsicherheit haben. Den anderen geht es schließlich auch so!

Bildnachweis: Shymanska Yunnona / Shutterstock.com


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